Kleiderordnung
In Tabor ist es üblich, dass bei bestimmten Anlässen ein gehobenerer Kleidungsstil an den Tag gelegt wird. Als einer, der gerne Anzug und Krawatte trägt ist es für mich der ideale Zeitpunkt endlich so rumzulaufen, wie es mir gefällt ohne, dass ich gleich als Streber oder Stock-im-Arsch-Typ bezeichnet werde.
Gerne fordere ich das auch von den anderen ein, da es sich ja auch so “gehört”, dass man sich schick anzieht.
Heute Abend war mal wieder so ein Anlass und es waren erheblich viele Menschen “gut gekleidet”. Eigentlich habe ich keinen gesehen, bei dem es nicht so war, außer… bei mir.
Ich hatte bis um 1800 gearbeitet, dann mit Bine telefoniert und bin von dem Telefonat direkt zu dem Familienabend (Ersties erzählen, wie sie nach Tabor kamen; ziemlich krasse Geschichten, die zeigen, wie Gott in den Leben der Menschen wirkt!).
Als ich in den Raum trat, wusste ich bescheid:
Ich hätte mich vorher umziehen sollen…
In dem ganzen Trubel hatte ich vergessen, mir ein Hemd und ein Jackett anzuziehen…
Zu allem Überfluss lobte unser Seminardirektor auch noch all jene, die sich schick gemacht hatten…
Der Abend war mir wieder einmal eine Lehre.
Nicht wegen der krassen Geschichten, die sicher die Mehrheit der Menschen berührt hat, sondern wegen meiner Einstellung gegenüber den anderen Menschen.
Normalerweise verurteile ich die, die so angezogen sind wie ich es heute war und unterstelle ihnen, dass sie es mit voller Absicht gemacht haben.
Seit heute Abend weiß ich, dass das nicht immer der Fall sein muss und dass es tatsächlich auch ziemlich “alltägliche” Gründe für so einen Kleidungsstil geben kann.
Ich hoffe, dass ich mir das merken kann und in Zukunft etwas gnädiger mit “Modesündern” umgehe, als ich das bisher getan habe.






