Beichte
(…) müssen wir uns fragen, ob wir uns mit unserem Sündenbekenntnis vor Gott nicht oftmals selbst getäuscht haben, ob wir nicht vielmehr uns selbst unsere Sünden bekannten und sie uns auch selbst vergaben? Und haben nicht die unzähligen Rückfälle, hat nicht die Kraftlosigkeit unseres christlichen Gehorsams vielleicht eben darin ihren Grund, dass wir aus einer Selbstvergebung und nicht aus der wirklichen Vergebung unserer Sünden leben?
Dietrich Bonhoeffer in “Gemeinsames Leben”




10. Dezember 2007 um 00:42
Wenn aber Gott im Grunde in jedem von uns steckt (wenn ich das so richtig verstehe)… ist dann die Selbstvergebung nicht auch erst durch Gott ermöglicht?
Wir müssen bei Gelegenheit mal ein bisschen diskutieren
10. Dezember 2007 um 21:26
Ich glaub, wir sollten das tatsächlich “ausdiskutieren”, da ich momentan nicht genau checke, was du meinst…
Ich kann nur versuchen diesen aus dem Kontext gerissenen Satz zu erläutern:
Bonhoeffer geht es in diesem Abschnitt um die Beichte vor einem anderen Christen.
Wenn ich mich jetzt in meinem Zimmer hinsetze und mir alles erzähle, was ich böses gemacht habe und das dann als abgehakt sehe, dann ist das in keinster Weise verarbeitet und es heißt auch nicht, dass mir mein Mist tatsächlich vergeben ist.
So ungefähr ist das Zitat zu verstehen (ich hoffe, es wurde klarer).
12. Dezember 2007 um 11:42
Ich seh das so:
Bei Gott bedeutet vergebene Schuld, das sie auch für ihn vergessen ist.
Bei Menschen ist etwas Vergebenes nie vergessen bzw. verarbeitet. Das erfordert immer einen darauffolgenden Entwicklungsprozess.
Aber wenn ich ernsthaft Gott bitte mir meine Schuld zu vergeben, dann ist sie vergeben, ohne wenn und aber.
Viele Christen scheint das aber (leider) nicht klar zu sein.
Das Entscheidende ist meines Erachtens, dies spiegelt sich auch in Bonhoeffers Zitat wieder, dass wir nicht aus Gewohnheit, Tradition, Zwang, schlechtem Gewissen oder sonstigen Gründen unserer Schuld bekennen, sondern aus tiefter innerer Überzeugeung, also aus echtem Glauben.