
In ein paar Tagen soll in Marburg der 6. Internationale Kongress für Psychotherapie und Seelsorge statt finden.
Da dort auch Redner auftreten, die dem Thema Homosexualität aus christlicher Hinsicht kritisch gegenüber stehen (ich habe mir meine Meinung dazu noch nicht gebildet und möchte das mit diesem Beitrag auch nicht machen), ruft nun ein Aktionsbündnis dazu auf, den Kongress zu verhindern.
In einem Land von Meinungsfreiheit finde ich es vollkommen ok, wenn sich Leute gegen Redner wehren und vielleicht sogar demonstrieren. Sie dürfen Blogs einrichten, twittern, Flyer auslegen und auch sonst so vieles, wie ihnen einfällt.
Was ich allerdings zu sehen bekam, als ich mich nach den Spray-Aktionen an den Gebäuden Tabors (siehe Bild oben) und noch vielen anderen (Wohn-)Häusern (ich hoffe, dass es nur Sympatisanten und niemand des Aktionsbündnisses selbst waren) ein bisschen über dieses Aktionsbündnis informierte stimmte mich in zweierlei Hinsicht traurig:
1. Die redaktionelle Professionalität der “Gegner”
Was ich auf vielen der Blogs zu lesen bekam, war hauptsächlich polemisches Gefasel über die fundamentalen und erzkonservativen Evangelikalen, die allesamt böse sind, weil sie Homosexuelle nicht respektieren.
Mir wurde immer gesagt, ich solle vorsichtig sein mit Verallgemeinerungen, da man häufig nicht einmal im eigenen Familien-/Freundeskreis einer Meinung sei. Bei vielen Artikeln allerdings, die ich gelesen habe, fühlte ich mich als Evangelikaler doch in Schubladen gesteckt, in denen ich mich absolut nicht zu Hause fühlen würde und ich weiß, dass es sehr vielen anderen “Evangelikalen” genau so geht.
2. Die redaktionelle Professionalität der Christen (in der Vergangenheit und heute)
Die Artikel auf den Blogs erinnerten mich aber auch an viele Artikel, die ich in christlichen Zeitschriften oder Flugblätten gelesen habe. Es ist häufig dasselbe Spiel:
Man informiert sich nicht genau über den Gegner, merkt nur irgendwie, dass er böse ist und haut so lange auf ihn ein, bis er tot ist.
Viele Artikel über Computerspiele, Homosexuelle, Abtreibung, usw. sie so schlecht und bitter, dass man heulen möchte, denn sie verdammen Menschen, die es überhaupt nicht verdient haben.
Versteht mich bitte nicht falsch. Ich möchte hier keinerlei Meinungen schüren oder ähnliches, sondern nur zeigen (ähnlich wie Stefan hier), dass wir momentan mit den Waffen geschlagen werden, die wir sonst auf andere richten.
Vielleicht ist es an der Zeit, Verständnis für seine “Gegner” aufzubringen, sich vor dem Schreiben des nächsten Artikels über Dinge, die man für bedenklich hält, genau zu informieren und die Menschen im Vordergrund zu sehen und nicht die “Sache”.
Nachtrag: Da es nicht mein Ziel war, mit diesem Blogeintrag Stellung für die eine oder andere Seite im APS-Konflikt zu beziehen, sondern lediglich auf die Art des gegenseitigen Umgangs hinzuweisen (und der “Christen”-Teil hat rein gar nichts mit dem Kongress zu tun), habe ich den Eintrag noch einmal überarbeitet (danke Esther für den Hinweis).
Tags: APS, APS-Kongress, Christen, Hetze, Kommunikation, Marburg, Sprayer, Tabor